1 Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Sinn des Lebens
1.1 Sinnstiftung und Sinnsuche
Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist eine der Fragen, die sich fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens fragen wird. Als christlicher Mensch lässt sich auf diese Frage (je nach persönlicher Auslegung) mit einem gottgegebenen Auftrag antworten, welcher sich z.B. in der Schöpfungsgeschichte finden und sich populär auf [So sprach Gott nach der Schaffung des Menschen:] Macht [die Erde] euch untertan; [...]
(1. Mose 1,28; Die Bibel, 2025) zusammenfassen lässt. Der Mensch ist (kontextual betrachtet) nach dieser Auslegung für die Schöpfung Gottes verantwortlich und soll diese vorsorglich behüten.
Der Sinn des Lebens wird für (fundamentalistisch) gläubige Personen durch die Bibel gestiftet; dementsprechend lässt sich die Frage christlich beantworten: Der Mensch existiert, um über Gottes Werk verantwortungsvoll und fürsorglich zu wachen.
Für Atheisten gibt es die Möglichkeit der Antwort in der Bibel nicht, da diese, aufgrund ihrer Ablehnung des Glaubens an Gott, die Bibel nicht anerkennen. Für sie müsste es dementsprechend keinen Sinn des Lebens geben, es finden sich allerdings häufig welche.
Suchen Atheisten nach einem Sinn des Lebens, kann dies darin resultieren, dass sich die betroffene Person von sich aus eine eigene Weltanschauung bildet, in welcher der Sinn des Lebens von einer anderen Religion gegeben wird, oder sich aus Geschichten ein eigenes Bild baut. Allerdings muss diese Sinnstiftung, im Gegensatz zu jener der Bibel, vom Individuum selbst gesucht werden. Es handelt sich um einen suchenden Ansatz, welcher die Leere des eventuell sinnlosen Lebens füllen möchte. Ein weiterer suchender Ansatz, und jener, welchem sich im Folgendem gewidmet wird, ist der, der philosophischen Betrachtung des Themas. In dieser wird versucht, eine möglichst definitive, allgemein gültige Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu finden.
1.2 Philosophische Auseinandersetzung
In der Philosophie wird die Frage nach dem Sinn des Lebens bereits seit längerer Zeit gestellt. In der Antike setzten sich Philosophen wie Aristoteles mit der Frage nach der Existenz des Menschen auseinander und auch andere Philosophen in späteren Jahren fanden individuell unterschiedlich geprägte Antworten auf die Frage nach dem Sinn der menschlichen, oder generellen, Existenz. Dies resultiert in einem breit gefächertes Feld von möglichen Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens; je nach philosophischer Strömung, auch für tiefergehende Fragen in das Wesen der Existenz oder des Sinns.
Um verschiedene atheistische Ansätze zu verdeutlichen, wird im Folgenden zunächst auf den Essenzialismus von Aristoteles eingegangen. Daraufhin werden drei atheistischere Ansätze, der Existentialismus von Jean-Paul Sartre, die Philosophie des Absurden von Albert Camus und der Nihilismus analysiert. Am Ende werden die 4 philosophischen Richtungen mit der theologischen Ansicht sowie untereinander verglichen.
2 Atheistische Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens
2.1 Über den Essenzialismus
Im Essenzialismus geht der Existenz, also dem Leben, eine Essenz, also ein Sinn, vor. Der Sinn des Lebens liegt also schon vor dem Leben fest und ist ein zentraler Bestandteil dessen. Zur Veranschaulichung des Grundprinzipes des Essenzialismus ein Beispiel:
Ein Backofen ist ein Backofen, weil dieser gebaut wurde, um etwas zu backen. Deswegen besitzt er ein Heizelement und kann mithilfe von diesem etwas erhitzen (also backen). Hätte der Backofen kein Heizelement, so käme er seinem Sinn nicht nach und könnte auch kein Backofen sein. Er wäre viel eher eine Kiste, welche man aufmachen kann um Dinge abzulegen. Der Backofen besitzt also die Essenz (den Sinn) des Backens.
Im Essenzialismus wird dem Wesen eine grundlegende Eigenschaft als Sinn zugeschrieben, wie im Beispiel des Backofens das Backen.
In der Bibel lässt sich eine Form des Essenzialismus als treibende Kraft hinter dem Sinn des Menschen erkennen, so wurde dieser nach Gottes Abbild erschaffen, um, je nach Auslegung, über die Erde zu herrschen (1. Mose 1, 26-28; Die Bibel, 2025), dies bildet einen intrinsischen Sinn des Menschen heraus und definiert ihn über den Sinn, somit ist der christliche Glaube teils essenzialistisch interpretierbar.
2.1.1 Das Streben nach Glück von Aristoteles
Eine andere Form des Essenzialismus, ohne einen im christlichen Sinne verliehenen gottesgegebenen Sinn, bietet Aristoteles in seiner Philosophie. Er gibt dem Menschen anhand seiner Strebungen nach verschiedenen Gütern, wie Genuss, Ehre und Weisheit persönliche Ziele welche diese Menschen erreichen wollen. Diese differenten Ziele werden auf ein generelles Streben nach Glückseligkeit zusammengefasst, indem Aristoteles den Personen ihre persönlichen Strebungen auf ein Ziel reduziert, arbeitet er aus diesen einen gemeinsamen Nenner heraus, welcher der, der Glückseligkeit ist. Des Weiteren würden diese Personen ihre Strebungen, nach Macht o.Ä., dementsprechend nicht als Endziel bezeichnen.
Den anderen Bestrebungen gegenübergestellt, ist Aristoteles nach, die Glückseligkeit, welche diese Personen dem eigenen Streben, nach z.B. Ehre, vorziehen würden. Das Glück in Form von Glückseligkeit ist, nach Aristoteles, autark in dem Sinne, dass es sich selbst als einzigen Sinn besitzt. Der Sinn des Lebens bei Aristoteles ist also das Streben nach Glück. (Aristoteles, 2003)
Des weiteren bietet Aristoteles einen Pfad zum Erreichen des Glückes an, da er dem Menschen die Funktion der Ausübung von Vernunft zuschreibt. Durch das Ausüben der Vernunft, was Aristoteles als Philosophie bezeichnet, erfüllt dementsprechend seinen Lebenssinn und lebt ein glückliches Leben. (Aristoteles, 2003)
2.2 Über den Existentialismus
Ein konträrer Ansatz zum Essenzialismus ist jener des Existentialismus. Im Gegensatz zu Aristoteles’ Essenzialismus kehrt der Existentialismus die Frage nach dem Sinn um; so kann der Sinn nur entstehen, wenn die Existenz bereits vorhanden ist. Im Falle des Sinnes des Lebens bedeutet dies, dass das Leben seinen Sinn erst entwickelt, wenn es existiert und der Sinn nicht von Beginn an vorgegeben ist. Dies ist häufig einer der Kernpunkte der atheistischen Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens.
2.2.1 Das Sein des Menschen von Sartre
Für Sartre ist die Freiheit des Menschen immanent. Auch die Freiheit des Sinnes des Lebens gehört dazu. Der Mensch ist nicht Gefangener eines vorher festgelegten Lebenssinnes, sondern wird ohne Sinn in die Existenz geboren. Er selbst ist verantwortlich für seine Taten und sein Handeln und definiert sich auch erst durch diese selbst. Durch diese Definition bildet sich bei Sartre der Sinn des Lebens durch den Prozess des Lebens selbst. Dies beruht auf der Annahme, dass es keinen schöpferischen Gott gibt, welcher den Sinn des Lebens im vorhinein festlegt. (Sartre, 1943/2024)
Dies resultiert in einer Pflicht, sich selbst zu finden und damit seinen persönlichen Lebenssinn zu finden. Laut Sartre ist das reine Folgen von Vorbildern ein Verrat am eigenen Selbst, welches die höchste Instanz im eigenen Leben ist. (Sartre, 1943/2024)
2.2.2 Die Entstehung des Sinns
Bei Sartre entsteht der Sinn des Lebens durch dessen bewusste Bildung. Ein wichtiger Bestandteil des Seins, das Selbstbewusstsein übernimmt hierbei einen zentralen Part. So könnte der Mensch nur dadurch, dass er sich aus sich selbst heraus betrachtet, durch das außenstehende Selbstbewusstsein, reflektierend mit sich selbst befassen. Dies sei essenziell um sich sein Selbst in der Freiheit zu entwickeln. Das Selbstbewusstsein übernehme hierbei die zentrale Rolle als Bewusstsein für das Bewusstsein selbst. Dies veranlasst Sartre dazu, zu behaupten, dass vorwiegend Wesen mit einem Selbstbewusstsein einen eigenen Sinn des Lebens entwickeln können und andere, erschaffene Dinge, wie z.B. Gegenstände (wie der Backofen im Beispiel des Essenzialismus) eine festgelegte Essenz besitzen. (Sartre, 1943/2024)
Allerdings schränkt Sartre die Freiheit der Bildung des Selbst auch ein. So sei die persönliche Freiheit an das Anerkennen der Freiheit der anderen gebunden. Nur durch das Anerkennen der Freiheit der Anderen, kann sich das Selbst in der echten Freiheit entfalten, da diese Freiheit auch für andere existiert; würden andere Menschen diese Freiheit genommen bekommen, so sei man selbst in seiner Freiheit eingeschränkt. (Sartre, 1943/2024)
2.2.3 Die Verleugnung des Selbst
Der Verrat des eigenen Selbst tritt, laut Sartre, häufig in der Gesellschaft auf. Er würde dies als den leichten Ausweg aus der Freiheit zu Sein bezeichnen, da durch den Verrat des Selbst die Not entschwände,einen eigenen Sinn im Leben zu finden und die Freiheit, aufgrund ihrer Schwere, nicht ertragen werden müsste. Durch dieses gibt er dem psychologischen System der Rollen, welche eine Person zu verschiedenen Zeiten in der Gesellschaft trägt, einen selbstverräterischen Anklang, da das Übernehmen von Rollen die Möglichkeit sich selbst zu definieren schmälert. (Sartre, 1943/2024)
Es wird dementsprechend, als Verrat des Selbst, zu häufig eine vorgebene Rolle mit vorgebenem Sinn des Lebens gewählt, um eine eigene Defintion des Selbst zu umgehen. Sartre bezeichnet dies als La mauvaise foi
(Sartre, 1943/2024, S. 119) (Die Unaufrichtigkeit
).
2.2.4 Verantwortung des Selbst
Die Position Sartres ist eine radikale und unbequeme Position, weil es keinen Leitsatz gibt, wie man sich seinen eigenen Lebenssinn schafft und was es für Ziele gibt. Die Bildung des Selbst ist ein beschwerlicher Prozess, für welchen der Mensch sich vor sich selbst verantworten muss. Des weiteren entstehe durch die eigene Verantwortung für sich selbst, ein innerer Druck.
2.3 Albert Camus’ Absurdheitsphilosophie
Albert Camus und Sartre stimmen in dem überein, dass es keinen vorgegebenen Sinn des Lebens gibt, dennoch bezeichnet er sich selbst nicht als Existentialisten. Der Ausgangspunkt von Camus’ Ansicht ist nicht die Freiheit der Selbstschöpfung wie bei Sartre, sondern das Absurde der Frage nach dem Sinn des Lebens im eigentlichen. (Camus, 1942/2026)
Dieses entsteht durch den Widerspruch zwischen dem, wie der Mensch die Welt wahrnimmt und dem wie sie ist. So sucht der Mensch mit seinen eingeschränkten Sinnen eine Ordnung, eine Erklärung für alles und nach Bedeutung. Auf diese Fragen könne die Welt allerdings nicht eindeutig antworten. Da es, laut Camus, keine Antwort auf die Fragen des Menschen gibt. Der Welt selbst sei der Mensch gleichgültig, weswegen sie auch gar nicht antworten würde, wenn sie es könnte. Das Absurde besteht also darin, dass der Mensch die grundlegenden Existenzfragen überhaupt stelle und eine Antwort erwarte, obwohl er wissen sollte, dass keine Antwort existieren könne. (Camus, 1942/2026)
2.3.1 Absurd aber nicht bedeutungslos - Suizid ist keine Lösung
Ein wichtiger Bestandteil der Philosophie Camus’ ist, dass das Leben trotz der fehlenden Antwort auf die Frage nach dem Leben, nicht bedeutungslos sei. Er trennt deshalb eindeutig zwischen dem, seines Argumentation nach, nichtexistierenden Sinn des Lebens und dem, dass das Leben deswegen keinen Wert habe. Camus’ Philosophie befasst sich, aufgrund der Aussichtslosigkeit des Nihilismus, damit wie der Mensch mit der Erfahrung des Absurden leben kann, ohne das Leben zu verneinen und ohne den Weg der Religionen zu gehen.
Suizid wird von Camus grundsätzlich ablehnt, da das Leben einen intrinsichen Wert hat. (Camus, 1942/2026)
2.3.2 Freiheit der Person
Für Camus ist die Reaktion des Anerkennens der Bedeutungslosigkeit sehr wichtig. Dies sollte, laut Camus ein Prozess der Revolte
sein. Diese wird von Camus als innere Haltung der Ablehnung, gegenüber der Selbstaufgabe und der Verzweifelung, definiert. Der Mensch rebelliere dementsprechend gegen die Sinnlosigkeit des Lebens. (Camus, 1942/2026)
Da es kein festes Ziel in der Zukunft gäbe, sei die Lebensart entsprechend leidenschaftlich und in der Gegenwart angesiedelt. Die Art des Lebens sei eher darauf ausgerichtet einen Moment zu erkennen, als sich Grenzen zu setzen um in unbestimmter Zeit, beispielsweise vor dem Jüngsten Gericht, besser gerichtet zu werden. Dies verleihe dem Leben einen sehr großen Freiheitsanteil, welcher bewusst genossen werden könne und sollte. (Camus, 1942/2026)
2.3.3 Stoische Haltung
Camus zeigt seine Überlegungen auch am Beispiel des Sisyphos. Das Bewegen des Steines von Sisyphos den Berg hinauf, besitze keinen intrinsischen Zweck, außer den, der ewigen Strafe. Dadurch, dass der Stein immer wieder knapp vor dem Ende des Berges wieder den Berg hinabrollt, sei die Aufgabe sehr offen frei von Sinn, neben dem der Strafe. Dennoch kann man sich, laut Camus, Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen, da er die Strafe ohne Illusionen annimmt und seine Position zu der Strafe ändert. Dies entspricht auch der wesentlich älteren Philosophie der Stoa, welche grundlegend besagt, dass man nur glücklich werden kann, wenn man die Umstände, welche außerhalb des eigenen Handelsspielraums liegen, einfach annimmt. (Camus, 1942/2026)
Camus’ Haltung weist in diesem Thema starke Überschneidungen mit der stoischen Haltung auf, da diese die eigene Einstellung zu unvermeidbaren Fakten als zentral betrachtet. Camus’ Ansatz geht allerdings über den klassischen Stoizismus hinaus und wendet diese eigene Einstellung auch auf die nichtexistierenden Antworten nach den essenziellen Lebensfragen an, wodurch die Bewertung der Antworten als ein positives Ja, und?
wahrgenommen werden kann. Der Sinn des Lebens kommt also von dem Wert den man ihm durch das Leben dessen verleiht.
2.4 Kein Sinn und folglich keinen Wert
Aus Camus’ Philosophie des Absurden, lässt sich die Ablehnung des Nihilismus (aus dem lat. Nichts abgeleitet) ablesen. Nietzsches Nihilismus kommt, wie auch Camus, zu dem Schluss, dass das Leben keinen essenziellen Wert besitze. Er nimmt zu diesem allerdings keine Haltung der Akzeptanz an, sondern reagiert auf dieses in der Ablehnung des Lebens als Reaktion auf die Sinnlosigkeit von diesem (Nietzsche, 1882/2025). Im Folgenden wird sich anhand von Nietzsche an das Thema das Nihilismus angenähert. (Nietzsche, 1882/2025)
2.4.1 Der Wertverlust
Nietzsche bezeichnet den Nihilismus als das Erkennen der Sinnlosigkeit des gottgegebenen Sinnes. Wobei Nietzsche selbst kein Nihilist oder Atheist war. Vielmehr handelt es sich um eine kulturelle Diagnose dessen, was zu seinen Lebzeiten in der westlichen Welt geschah. Er sah eine starke Abwendung vom christlichen Glauben, durch welche auch die traditionellen Werte schwanden. Dies bedeutet genauer einen Verlust des Wahrheitsgehaltes von gesellschaftlichen Tatsachen
, welche dadurch angezweifelt werden konnten, dass Gott infrage gestellt werden kann. (Nietzsche, 1882/2025)
Dementsprechend schwand auch der Eindruck, dass Moral, Glauben und Kultur, sowie weitere Aspekte, als von höheren Instanzen vorgegeben und garantiert galten. Durch den Schwund dieses Eindruckes kann, im Gegensatz zu Camus’ Ansatz, alles Angeführte als wertlos erscheinen. Laut Nietzsche ist dies die Reaktion auf den Verlust der Werte, welche zuvor immer vorgegeben waren, und nicht die Haltung des Menschen selbst; da dieser nicht direkt für die Umstände verantwortlich ist. (Nietzsche, 1882/2025)
2.4.2 Die zentrale Bedeutung Gottes
Die zentrale Rolle Gottes, in Nietzsches Nihilismus, widerspricht allerdings nicht dem atheistischen Charakter des Nihilismus. Dies liegt zu einem großen Teil an der Rolle Gottes.
Für Nietzsche ist Gott ein zentraler Aspekt seines Ansatzes, wobei die Abwesenheit von Gott zentral für den Nihilismus verantwortlich ist und nicht die Existenz von diesem. Gott ist tot
(Aphorismus 125 aus Die Fröhliche Wissenschaft; Nietzsche, 1882/2025), ist eine in diesem Kontext häufig genutzte Aussage, welche ihrem vollen Kontext nicht die absolute Nicht-Existenz Gottes beschreibt, sondern, dass der gesellschaftliche Glauben an einen oder mehrere Götter in der modernen Gesellschaft nicht mehr als solcher zu erkennen sei und seine Eigenschaft der Ordnungsschaffung verloren habe. (Nietzsche, 1882/2025)
Diesem schreibt Nietzsche eine erhebliche Auswirkung zu, da die gottgegebene Ordnung für alle Moral, Werte und Lebensinhalte der westlichen Welt über lange Zeit hinweg die zugrunde liegende Quelle war. Durch den Wandel der Werte in Gottes Tod zerbräche auch die Weltordnung. Der Nihilismus sei also die Reaktion auf eine allumfassende Leere, welche durch den Verlust aller Verbindlichkeiten hervorgerufen wird. Dies führt notwendigerweise zu einem Gefühl der Sinnlosigkeit. (Nietzsche, 1882/2025)
2.4.3 Schwinden des Vertrauens in die Welt
Durch den Wegfall der christlichen Weltdeutung wird eine fundamentale Vertrauenskrise ausgelöst, in welcher der Mensch sich nicht mehr auf die göttliche Ordnung verlassen könne, welche ihm zuvor noch die gesamte Welt erklärt und gerechtfertigt habe. Daraus resultiere eine Desorientierung des Individuums, in welchem das Individuum jeglichen traditionellen Systemen die Legitimität abspricht. Für Nietzsche galt in diesem Zusammenhang der Nihilismus, im Gegensatz zu Camus’ Absurdheitsphilosophie (welcher zur Zeit Nietzsches nicht existierte) als einzige logische Konsequenz. (Nietzsche, 1882/2025)
2.4.4 Die Besonderheit Nietzsches Nihilismus
Nietzsche selbst versteht den Nihilismus allerdings nicht, als endgültiges Ende, sondern als Übergangsphase die zu einem neuen Weltordnungssystem führt (Nietzsche, 1883–1885/2014). Dies widerspricht dem traditionellen Nihilismus sehr, welcher durch den Schwund der Werte resigniert und sich keinem neuen Sinn zuwendet. Besonders prägnant ist der Nihilismus als Übergang in Nietzsches Also sprach Zarathustra vorzufinden. So sucht Zarathustra nach dem Übermenschen
, einem Wesen welches Gott selbst ersetzen muss. Zarathustra findet allerdings keine Würdigen für diesen Platz, da sich, neben ihm selbst (wobei er sich selbst nur als Botschafter sieht), keine Übermenschen finden lassen, worauf die Suche von vorn beginnt. Allerdings steht die Schaffung des Übermenschen, eines Menschen welcher selbst in die Rolle Gottes tritt um Werte selbst zu schöpfen, als einziger Weg aus dem Nihilismus da. (Nietzsche, 1883–1885/2014)
2.5 Vergleich der 4 Ansätze sowie dem Theologischen
2.5.1 Vorgegebener Sinn des Lebens
Drei der vorgestellten Ansätze bauen darauf auf, dass es, nicht wie im Christentum, keinen vorgegeben Lebenssinn gäbe und dieser stattdessen von einem Individuum selbst gesucht werden muss. Der Unterschied liegt in der Wahrnehmung eines nicht existierenden Sinnes. Im Existentialismus von Sartre wird aus dem nicht existierenden Sinn die Freiheit des Menschen abgeleitet, sich selber einen Sinn des Lebens zu verleihen. Camus in seiner Philosophie des Absurden geht sehr ähnlich vor, verleiht der Existenz selbst allerdings einen Wert, statt dem Leben einen Sinn zu verleihen. Der Mensch kann, aufgrund dessen, bei Sartre einen langfristigeren Lebenssinn besitzen, während dies bei Camus’ Ansicht weniger verbreitet sein dürfte.
Der Nihilismus Nietzsches wiederum spricht mit dem Verlust des Sinnes auch direkt den Wert des Lebens ab. Da der Nihilismus von Nietzsche allerdings als Zwischenstufe betrachtet wird, bis ein neues Ziel (der Übermensch) und damit auch ein neuer Lebenssinn entsteht, ist dieser etwas anders zu bewerten als die anderen Ansätze, die allesamt eine finale Antwort geben.
Der Essenzialismus, für welchen Aristoteles herangezogen wurde, wiederum hat einen intrinsischen Sinn des Lebens für den Menschen und unterscheidet sich somit von den drei anderen Ansätzen und schlägt in die Richtung des vorgegeben Lebenssinnes ein wie es auch die Bibel tut.
Die drei Ansätze welche keinen vorgegeben Lebenssinn beinhalten unterscheiden sich dementsprechend stark von dem essenziellen und dem theologischen Ansatz, da diese einen intrinsischen Lebenssinn beinhalten.
2.5.2 Freiheit des Menschen
Ein weiterer Unterschied aller Ansätze besteht in den Freiheitsgraden, welche dem Menschen gegeben werden. Dies resultiert aus den nicht vorgegeben Sinnen und korreliert in gewisser Weise mit dem, wie stark der vorgegebene Sinn den Rest des Lebens beeinflusst.
So gibt die Bibel, in direkter Auslegung, nur wenige Freiheitsgrade für das Individuum, da der Mensch weiterhin auf Gott hören sollte und: Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit, und die Erkenntnis des Heiligen ist Einsicht
(Sprüche 9,10; Die Bibel, 2025), in gewisser Weise aufzeigt, dass der Mensch unter Gottes Gnaden lebt.
In Sartres Ansicht wiederum ist die Freiheit essenziell für das Selbstbilden eines Lebenssinnes, die Freiheit sich selbst zu bestimmen ist dementsprechend hoch, wobei die Freiheit durch die Freiheit anderer definiert ist. Der Nihilismus ist allerdings der unfreiste aller hier behandelten Ansätze, so gäbe es aus dem Nihilismus von Nietzsche keinen Weg heraus, außer dem des Verfolgens eines Übermenschesn oder dem Suizid. Dadurch das in diesem Nihilismus alles angezweifelt werden kann und somit auch angezweifelt wird, ist dies, durch die Aussichtslosigkeit der Existenz des Menschen eine solch erdrückende Freiheit, dass der Mensch sie nicht tragen könne und an ihr zugrunde gehe.
Camus betrachtet diese Freiheit wiederum als Freiheit zu Leben und sieht die Freiheit, welche Nietzsche als belastend ansieht, als sehr positiv an; ähnlich wie auch Sartre. Für Camus ist die Freiheit auch absoluter als jene von Sartre, da bei Camus die Freiheit nicht durch einen selbstgesetzen Sinn des Lebens beeinflusst werden kann.
Der freieste Ansatz ist dementsprechend der von Camus, woraufhin Sartre folgt. Darauf folgen die essenzialistischen Ansätze von Aristoteles und des Glaubens. Am unfreisten ist Nietzsches Form des Nihilismus.
3 Existenz ohne gottgegebene Essenz - Ein Fazit
Für atheistische Menschen gibt es, wie aufgezeigt verschiedene Möglichkeiten der Sinnfindung oder der Wertfindung für das Leben. Auch die Möglichkeit des nicht existierenden Sinnes und Wertes ist möglich, wobei dies eine sehr einschränkende Betrachtung des Lebens ist.
Ein Leben ohne einen gottgegebenen Sinn ist also durchaus möglich und je nach persönlicher Ausrichtung ein freieres Leben als jenes welches durch biblische Aspekte gepredigt wird. Allerdings stellt sich die Frage, welchen Weg die Person selbst einschlägt. Durch die Möglichkeit der eigenen Wahl des Sinns des Lebens, oder durch die Ablehnung der Existenz von diesem und allein durch die Wertung des Lebens gibt es für das Individuum genug Möglichkeiten zur Wahl, ohne, wie von Nietzsche beschrieben, zwangsläufig in den Nihilismus zu fallen.
Des Weiteren gibt es noch zahlreiche andere philosophische Strömungen, welche Ansätze vertreten. Die philosophischen Perspektiven auf den Sinn des Lebens sind, deshalb individualistischer als die rein theologische Betrachtungsweise des Themas.
Die Position von Camus’ Absurdheitsphilosophie ist eine realistische Betrachtung, welche die soziologischen Aspekte von Sartre kontrahiert, die durch die bewusste Abgrenzung der soziologischen Rollen entstehen. Des weiteren bietet Camus eine Abwendung von einem illusorischen Sinn des Lebens und zeigt einen Weg auf, welcher nicht in den Nihilismus von Nietzsche fällt und trotzdem einen illusorischen Sinn des Lebens, wie er bei Sartre selbst gebildet wird und bei den essenziellen Ansätzen vorgegeben wird, vermeidet.
Alle Ansätze neben dem Nihilismus bieten allerdings einen praktisch lebbaren Weg, ob mit oder ohne expliziten Sinn des Lebens, welcher ohne Einschränkung gelebt werden kann.