Liebe Verbandsbrüder, Waffenbrüder, Farbenbrüder und Bundesbrüder, liebe Gäste,
die Antike war etwas anders als die heutige Zeit. In der freien Zeit, in der die Menschen nicht arbeiteten, konnte man damals nicht schnell mal eben eine Lust auf etwas befriedigen. Der Pizzalieferdienst existierte zu Zeiten von Aristoteles einfach noch nicht.
Aber nicht nur der Lieferdienst, auch Amazon und andere Onlineversandhäuser würden die Bühne des Güterverkehrs erst in ca. 2300 Jahren betreten.
Trotzdem ist von Aristoteles, neben vielen anderen, der Satz aus dem diessemestrigen Semesterprogramm überliefert: Ohne Freunde möchte niemand sein. Auch wenn er alle übrigen Güter besäße.
In der Zeit von Aristoteles hießen diese Güter ein unbeschwertes Leben, mit zuarbeitenden Sklaven und allen bekannten Dingen, die das Herz zu der Zeit begehren konnte und materiell waren. Kurz: ein sorgenfreies Leben.
Aber Aristoteles erkannte, dass ein gewonnener Hahnenkampf, eine hübsche Sklavin, ein praller Geldbeutel und mehr alleine definitiv nicht glücklich machen. Vielmehr das Teilen miteinander, die Vorform der heutigen Kneipe, das Symposium, das gemeinsame Anfeuern während der Olympischen Spiele und der generelle Austausch mit sehr guten Bekannten, oder besser ausgedrückt: Freunden.
Gerade in der heutigen Zeit, in der wir in jeder freien Sekunde, ob beim Gang zum Geschäft, beim Rasieren oder gar hier während der Kneipe, zum Handy greifen (ich möchte niemanden ansehen), um schnell noch ein Gut mehr zu konsumieren, weil unser Freund gerade am Glas nippen wollte oder wir einfach gelangweilt sind, ist es besonders wichtig, sich darauf zu besinnen, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und seine Freunde nicht nur zum Überleben braucht.
Wenn alle, wirklich alle, Güter der heutigen Zeit uns an materielle oder immaterielle Ketten legen wollen, uns morgens früh, direkt nach dem Aufstehen, anketten und von den Freunden ablenken wollen, müssen wir dagegenhalten, uns auf das Wichtige im Leben, die Freundschaft und das Beisammensein, besinnen und bewusst die Ketten ablegen und gemeinsam Zeit verbringen.
Wir sind heute Abend schon auf dem richtigen Weg, und in dem Sinne bietet unsere Gemeinschaft genau diese Möglichkeit.
Auf die Freundschaft! Zum Wohl!